Im Folgenden möchte ich einige dieser Archetypen grob vorstellen und vor allem Beispiele aus Filmen und auch Computerspielen aufzeigen.Beim Schreiben der folgenden Zeilen stellte ich schnell fest, dass ich auf keinen Fall alles in einen Text packen kann. Deshalb habe ich mich dazu entschieden ihn zu unterteilen, damit das dadurch vermittelte Wissen von euch auch besser verarbeitet werden kann. Es ist immer etwas schwer, wenn man alles auf einmal vorgesetzt bekommt.
Der erste Teil meiner Reihe befasst sich gleich mit der wichtigsten Figur:
1. Der Held
Viele Geschichten beginnen oft damit, dass man den Helden in seiner gewohnten Welt antrifft. Diese gewohnte, sichere Welt muss er daraufhin verlassen (gewollt oder ungewollt), um ein spannendes Abenteuer zu erleben. Das ist eine extrem grobe Darstellung der sogenannten “Reise des Helden“.
Hier ein paar Beispiele für die gewohnte Welt des Helden:
Stirb Langsam 4.0
John McClane soll eigentlich nur einen harmlosen Hacker überprüfen, gerät dann aber in eine handfeste Schießerei mit den Terroristen, die eben jenen Hacker töten wollen. Dadurch wird John McClane in eine weit größere Sache gezogen.
Half Life
Ein ganz normaler Tag in der Forschungsstation Black Mesa wird durch ein fehlgeschlagenes Experiment zu einem Krieg gegen die Außerirdischen aus Xen.
Krieg der Welten
Tom Cruise hat Feierabend und verlässt seinen Arbeitsplatz, während er sich mit seinem Chef streitet. Daneben sieht man noch seine familiären Probleme und die emotionale Distanz, die er zu seinen Kindern hat.
Der Held bietet dem Zuschauer ein Fenster zur Geschichte. Der Zuschauer erlebt durch seine Augen die Erzählung und identifiziert sich mit dem Helden. Um diese Identifikation zu erreichen, gibt man dem Helden Eigenschaften, bzw. Gefühle und Triebe, die jeder von uns kennt. Zum Beispiel Rache (Kill Bill), Überlebenstrieb (SAW, Jurassic Park) oder der Wille zum Erfolg (Rocky).
Wichtig ist, dass der Held im Verlauf der Geschichte eine Entwicklung bzw. einen Lernprozess durchlebt. Im Kern vieler Geschichten geht es um diesen fortlaufenden Lernprozess. Ein gutes Beispiel ist hierfür die Neuauflage von Krieg der Welten mit Tom Cruise. Zu Anfang ist er ein furchtbarer Vater, der seine Kinder nicht kennt und sich nicht mit ihnen befassen möchte. Mit dem Angriff der Außerirdischen wird ihm jedoch bewusst, wie wichtig ihm seine Kinder sind und daß er sich um sie kümmern muss. Aus einem charakterlichen Mangel am Anfang, wird er während der Erzählung zu einem besseren Vater.Der Held sollte auch immer die Handlung vorantreiben. Er ist die aktivste Figur der Erzählung. In entscheidenden Momenten muss der Held sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Ein gutes Beispiel ist das Ende von Underworld. Hier tötet Selene den Bösewicht Victor, obwohl vorher ihr befreundeter Werwolf Michael schon gegen ihn gekämpft hat und ihn auch hätte umbringen können. Doch das hätte eine viel geringere und emotionslosere Bedeutung gehabt.
Denn im Gegensatz zu Michael hat Selene im Verlauf der Geschichte eine Beziehung zu dem Bösewicht aufgebaut, da dieser zuvor noch die Rolle des Mentors gegenüber Selene hatte und damit quasi wie ein Vater für sie war. Vergleichbar wäre es, wenn ich in einem Computerspiel zuschauen muss, wie jemand anderes meinen Erzfeind besiegt. Nicht sehr befriedigend.Interessant ist es auch, dem Helden einen oder mehrere Charakterfehler zu verpassen. Diese lassen den Helden menschlicher wirken. Das Zweifeln an sich selbst oder die Angst vor der Zukunft z.B. kennt jeder von uns. Dadurch steigt die Identifikation des Konsumenten mit dem Helden.
Unter den Helden gibt es wiederum verschiedene Typen:

1.1 Der Jedermann
- John McClane in der Stirb Langsam-Reihe
- Tom Cruise in Krieg der Welten
- Sarah Connor in Terminator
- Frodo in Herr der Ringe
Sie sind aus bestimmten Umständen heraus gezwungen, ihre gewohnte Welt zu verlassen um in der Abenteuerwelt zu bestehen. Sie sorgen nicht aktiv für Action, die Action kommt zu ihnen.
Dadurch kommen wir auch schon zum zweiten Typ Held…

1.2 Der Action-Held
- Rocky Balboa
- John Rambo
- Duke Nukem
- Serious Sam
Dieser sorgt selbst aktiv für Action. Er IST die Action, während der Jedermann nur auf sie antwortet.
Eine weitere Unterkategorie ist der Antiheld. Er ist in den Augen der Gesellschaft zwar ein Außenseiter oder auch ein Krimineller, sympathisiert gleichzeitig auch mit dem Publikum. Beispiele hierfür sind Max Payne, Garret der Meisterdieb, der Punisher und Agent 47.
Wenn ihr euch das nächste mal einen Film anschaut oder ein Videospiel spielt, solltet ihr euch mal folgende Dinge fragen:
- Welcher Typ von Held wird hier dargestellt (Jedermann / Actionheld)
- Wie sieht die gewohnte Welt des Helden aus?
- Hat der Held einen charakterlichen Mangel? Wenn ja, welchen?
- Welche Entwicklung macht der Held, während seiner Reise?
Eure Antworten könnt ihr gerne hier zur Diskussion stellen.
Spoiler in jeglicher Weise sollten aber vermieden werden
Weiterführende Links zu diesem Thema:
The Everyman and the Action Hero: Building a Better Player Character
Der Antiheld
(Wer weitere Links hat, kann sie gerne posten!)
Nächsten Sonntag geht es dann um die Figur des Mentors.